Die intelligente Idealgesellschaft

Wie der Traum von Harmonie in der Realität spaltet

Es ist jetzt etwas mehr als ein Jahr her, dass ich meinen ersten meinungsselfie veröffentlicht habe. Damals ging es um das Thema Allgemeinwissen: Was gehört heutzutage in einen allgemeinen Wissenskanon? Braucht man einen solchen überhaupt noch, wenn man im Internet jederzeit Zugriff auf jede gewünschte Information hat? Sollte man sich darum nicht besser spezialisieren? Was in diesem Artikel überhaupt nicht im Fokus stand, war die Verbindung von Allgemeinwissen und Intelligenz. Wer viel weiß, wird in der Regel auch als besonders klug angesehen, man denke nur an die „Superbrains“ und „Quizgötter“ der einschlägigen TV-Formate. Dabei braucht man für ein großes Allgemeinwissen nur die Bereitschaft, möglichst viele Informationen zu konsumieren, und ein gutes Gedächtnis, um diese zu speichern. Mit Intelligenz hat das erstmal nur bedingt zu tun, jedoch neigen wir durch den anschaulichen Charakter von Wissensdemonstrationen dazu, einem solchen Menschen auch eine hohe Intelligenz zuzusprechen – und damit auch hohes Prestige. Denn neben Reichtum, Macht und Ansehen ist Intelligenz ein Mittel sozialer Stratifikation in unserer modernen, demokratischen (westlichen) Gesellschaft. Im Grunde ist es sogar das entscheidende Mittel, schließlich lassen sich mithilfe von Intelligenz die anderen drei erreichen. Dementsprechend kann es für jeden Menschen eigentlich nur erstrebenswert sein, möglichst intelligent zu sein. Ebenso profitiert die Gesellschaft insgesamt von vielen intelligenten Menschen, die wichtige Positionen besetzen können, gute Arbeit leisten und Innovationskraft demonstrieren. Wie also schafft man eine möglichst intelligente Gesellschaft?

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Typische Graduation Ceremony – Gleichzeitig aber auch Graduierung der Gesellschaft. Quelle: Pixabay.

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Der ist so wie ich!

Über die Bedeutung von Gruppen und Ähnlichkeit

Wenn eine parlamentarische Assistentin 900€ im Monat verdient und eine andere 7000€, dann muss das noch lange nicht heißen, dass letztere fast siebenmal mehr oder besser gearbeitet hat. Im vorliegenden Fall bestand die Qualifikation der besagten Dame lediglich darin, die Frau desjenigen zu sein, der über die Verteilung des Geldes entscheidet. Es geht um Francois Fillon, den Präsidentschaftskandidaten der Konservativen in Frankreich und seine Frau Penelope, der er relativ viel Geld für Schein-Jobs bezahlt haben soll. Unter dem Titel „Machtklubs aus der Studenten-WG“ thematisierte die ZEIT diesen und weitere Fälle von Korruption in Frankreich und stellte dabei fest, dass es letztlich doch immer die gleichen seien, die sich – trotz aller Skandale – die höchsten Ämter des Landes zuschieben. Dass dies längst nicht nur ein Problem in der Politik ist, beweist das Bankenwesen wo Banker, die etliche Millionen in den Sand gesetzt haben, trotzdem kurze Zeit später wieder als „Berater“ eingestellt werden. Doch wie kommt es dazu?

Rich businessmen with cigars

Man kennt sich, man schätzt sich: Wer aufsteigen will, der ist besser ähnlich. Quelle: fotolia.

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