Die Kontingenzfalle

Junge Menschen im Irrgarten der Optionen

Die aktuelle Phase der Menschheitsgeschichte gilt – zumindest in der westlichen Hemisphäre – als Zeitalter der Hyperindividualisierung. Bereits seit den 1960er-Jahren schreitet die Individualisierungswelle und damit auch die Pluralisierung von Lebensstilen immer weiter fort. Laut der Bundeszentrale für politische Bildung (bdp) ist dies besonders auf drei Faktoren zurückzuführen: eine flächendeckende Wohlstandssteigerung (1), die die Mobilität zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Schichten verbessert hat, eine drastisch verkürzte Arbeitszeit (2), die Raum für die eigene Selbstverwirklichung lässt sowie ein gestiegenes Bildungsniveau (3), das kognitive Fähigkeiten mit sich bringt, die Menschen „profunder über sich selbst und das eigene Leben nachdenken lassen“ (bdp). Während manche argumentieren, dass so gesellschaftlicher Fortschritt aussehe, meinen andere wir züchteten uns eine neue Generation von Egomanen heran – eine Einschätzung, die nach meiner persönlichen Wahrnehmung eher zutreffend erscheint. Heute zählt in erster Linie das „Ich“, die eigene Selbstbestimmung, die Verwirklichung eigener Träume und die hedonistische und sofortige Befriedigung eigener Bedürfnisse. Wie besonders auf Social Media-Kanälen á la Instagram zu beobachten ist, kann man die vorherrschende Geisteshaltung vieler junger Menschen auf einen simplen Nenner bringen: Ich, ich und ich. Was das mit uns macht, soll hier problematisiert werden.

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Grundproblem der Kontingenz: Die Wahl einer Tür bedingt die Nicht-Wahl aller anderen. Quelle: Pexels.

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Die langweilige Zukunft

Von der Orientierungslosigkeit junger Menschen

„Zukunft“, das klingt nach Aufbruch, nach Erneuerung, nach (technologischem) Fortschritt, kurz: nach einem besseren Leben. Das bloße Wort „Zukunft“ sollte normalerweise also reichlich positive Konnotationen hervorrufen. Vielen Menschen bereitet sie jedoch zunehmend Angst. Besonders in meiner Generation hat man zuweilen das Gefühl, dass Zukunftsängste eine bedeutende Rolle spielen. Dabei ist die Furcht vor globalen Phänomenen (z.B. Flüchtlinge, internationaler Terrorismus, Klimawandel etc.) meiner Meinung nach oft weniger gravierend als die Angst vor der eigenen, persönlichen Zukunft und dem möglichen Scheitern. Was mache ich eigentlich mit meinem Leben? Diese Frage bleibt – auch bedingt durch eine größer werdende Orientierungslosigkeit unter jungen Menschen – immer häufiger unbeantwortet.

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Einfacher gesagt als getan: Viele jungen Menschen wissen nicht, was sie „lieben“. Quelle: Pixabay.

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