Der Blog

blog-62279_640Zwei am Weltgeschehen interessierte Studenten aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich denken sich nach der Lektüre vieler kluger Texte: „Das können wir auch!“, und starten einen Blog. Den Vorwurf, ein Klischee zu erfüllen, können wir kaum entkräften, dennoch sollen an dieser Stelle Intention und Motivation unseres Blog erklärt werden.

Die Frage nach dem „Warum?“ ist durchaus berechtigt. Laut dem Online-Portal „Statista“ beherbergt allein die Plattform Tumblr bereits mehr als 282 Millionen(!) Blogs weltweit. Auch wenn es sich bei vielen davon um „Karteileichen“ handeln dürfte, ist dies doch eine abschreckende Hausnummer. Was soll also der ganze Aufwand?

Persönlicher Wert

Zunächst hat es für uns einen persönlichen Wert: Das Schreiben von Artikeln gibt uns einen Anlass, uns mit interessanten Themen auseinanderzusetzen, Recherche zu betreiben und uns eine eigene Meinung zu bilden. Sicherlich eine Horizonterweiterung, und das nicht nur im Sinne der Rhetorik. Anne Frank (1929-1945) hat den Reiz des Schreibens einmal auf eine simple Formel gebracht. Das schönste am Schreiben – so sagt sie sinngemäß – sei nichts weiter, als seine Gedanken und Gefühle schlicht aufschreiben zu können, weshalb sie ohne das Schreiben ersticken würde. Nun ist die Metapher des Erstickens sicherlich drastisch gewählt, dennoch kennen wir alle das Gefühl, sich spontan zu einer Sache äußern zu wollen, dann doch innezuhalten und hinterher frustriert vor sich hin zu sinnieren: „Ach hätt’ ich doch…“.

Besonders wenn man jung ist, beschleicht einen zuweilen der Eindruck, dass man einfach nichts Sinnvolles zu einer Debatte beisteuern kann. „Wer nimmt mich schon ernst? Was weiß ich schon? Was, wenn ich falsch liege?“. Dinge, die man eigentlich schon immer einmal sagen wollte, bleiben dann im sprichwörtlichen Halse stecken. In einer Zeit, in der man das Gefühl hat, dass alles schon gesagt wurde, nur noch nicht von jedem, ist es schwer, auch noch seinen eigenen Senf dazu zu geben und diesen für „wichtig“ zu halten. Warum aber versuchen wir es dann trotzdem?

Viele Blogs, wenig Variation

Nun, zunächst wird man das Gefühl nicht los, dass bestimmte Arten von Blogs dominieren. So sind beispielsweise fashion-, food- und travel-Blogs allgegenwärtig, während gute Blogs zu gesellschaftspolitischen Themen, als der wir uns verstehen, eher spärlich gesät sind. Darüber hinaus ist unser Blog von jungen Leuten (ja, mit 23 Jahren ist man noch jung!) für junge Leute, was heißt, dass wir uns zwar verstärkt gesellschaftspolitischen und damit zuweilen auch komplexeren Themen annehmen (trotz oder gerade wegen des Desinteresses an Politik, das unser Generation nachgesagt wird), diese jedoch „artgerecht“ aufbereiten wollen.

Als langjährige Medienkonsumenten hat uns überdies immer die Schnelllebigkeit von Themen in der medialen Berichterstattung und Diskussion gestört. Problemherde, die eben noch brandaktuell waren, scheinen von einem Tag auf den anderen nicht mehr existent zu sein, wenn ein frisches Thema auf den Plan tritt. Das Ausbleiben von weiterer Medienpräsenz eines Themas lässt dann den Eindruck entstehen, als sei die Debatte dazu beendet und zugehörige Probleme gelöst. Darum wollen wir in unserem Blog auf Themen eingehen, die momentan keine mediale Aktualität haben oder auf solche, die zur aktuellen Debatte beitragen können, aber unter dem Radar bleiben.

Welterklärer? Nein, danke!

Wir wollen dabei nicht so tun als wären wir die neuen, großen Welterklärer, (die auch nach eifrigem Nachdenken immer noch nicht wissen, wer sie sind und vor allem wie viele), sondern wären schon zufrieden, wenn wir den einen oder anderen kleinen Diskussions- oder Denkanstoß geben und mit unseren Texten ab und zu auch einmal für ein Schmunzeln sorgen könnten.

Noch einmal Anne Frank:

Wie herrlich ist es, dass niemand auch nur eine einzige Minute zu warten braucht, um damit zu beginnen, die Welt zu verändern.

In diesem Sinne verlieren auch wir nun keine Minute mehr, um zumindest unsere Welt zu verändern. Viel Spaß beim Lesen…

wünschen Alexander Gliech & Lars Urhahn.