In eigener Sache

Auf die Gefahr hin, dass wir bald mehr Artikel „in eigener Sache“ haben als originäre Beiträge (was von dem ein oder anderen Leser auch bereits kritisch angemerkt wurde) sei an dieser Stelle der Hinweis erlaubt, dass wir unseren Veröffentlichungsrhythmus ändern. Statt wöchentlicher Artikel werden in Zukunft pro Monat je ein Artikel von mir und einer von Alex erscheinen. So haben wir einerseits ein bisschen mehr Luft, die Beiträge neben dem arbeitsreichen Uni- und Berufsalltag zu verfassen, andererseits aber auch mehr Zeit für die Recherche, was die Qualität (so zumindest die Intention) weiter steigern sollte. Der nächste Beitrag in diesem Monat erscheint so am 17.07.2017.

Vielen Dank für euer Verständnis und hoffentlich bis bald.

Lars & Alexander

Die Kontingenzfalle

Junge Menschen im Irrgarten der Optionen

Die aktuelle Phase der Menschheitsgeschichte gilt – zumindest in der westlichen Hemisphäre – als Zeitalter der Hyperindividualisierung. Bereits seit den 1960er-Jahren schreitet die Individualisierungswelle und damit auch die Pluralisierung von Lebensstilen immer weiter fort. Laut der Bundeszentrale für politische Bildung (bdp) ist dies besonders auf drei Faktoren zurückzuführen: eine flächendeckende Wohlstandssteigerung (1), die die Mobilität zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Schichten verbessert hat, eine drastisch verkürzte Arbeitszeit (2), die Raum für die eigene Selbstverwirklichung lässt sowie ein gestiegenes Bildungsniveau (3), das kognitive Fähigkeiten mit sich bringt, die Menschen „profunder über sich selbst und das eigene Leben nachdenken lassen“ (bdp). Während manche argumentieren, dass so gesellschaftlicher Fortschritt aussehe, meinen andere wir züchteten uns eine neue Generation von Egomanen heran – eine Einschätzung, die nach meiner persönlichen Wahrnehmung eher zutreffend erscheint. Heute zählt in erster Linie das „Ich“, die eigene Selbstbestimmung, die Verwirklichung eigener Träume und die hedonistische und sofortige Befriedigung eigener Bedürfnisse. Wie besonders auf Social Media-Kanälen á la Instagram zu beobachten ist, kann man die vorherrschende Geisteshaltung vieler junger Menschen auf einen simplen Nenner bringen: Ich, ich und ich. Was das mit uns macht, soll hier problematisiert werden.

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Grundproblem der Kontingenz: Die Wahl einer Tür bedingt die Nicht-Wahl aller anderen. Quelle: Pexels.

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Das Produktivitätsparadox

Über zurückgehende Produktivität in Zeiten der Innovation

Produktivität ist längst nicht mehr nur ein Terminus aus der Ökonomie, sondern seit einiger Zeit auch in der politischen Arena angekommen. Denn: eine Steigerung der Arbeitsproduktivität, also die Erhöhung des Outputs (Produktionsergebnis) pro eingesetzter Input-Einheit (z.B. Arbeit), geht in der Regel mit jenem wirtschaftlichem Wachstum einher, das Politiker nur allzu gerne im Munde führen, wenn es auf Wahlen zugeht. Tatsächlich kann mit einigem Recht die These vertreten werden, dass es Menschen wirtschaftlich besser geht, wenn eine Gesellschaft Wachstum und Produktivitätssteigerungen generiert, da dann meistens auch die Löhne steigen. Dumm nur, dass die Arbeitsproduktivität in den westlichen Industrien schon seit einiger Zeit stagniert, in manchen Ländern gar rückläufig ist. Wie passt dies mit dem Hype um die Wertschöpfungspotenziale der Digitalisierung zusammen, die bereits seit der Jahrtausendwende propagiert werden? Werden wir überhaupt nicht produktiver oder bilden vorherrschende Untersuchungen das Konstrukt „Produktivität“ nur unzureichend ab?

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Verschafft uns die vollständig vernetzte Welt bald große Produktivitätssprünge oder handelt es sich schlicht um Propaganda aus dem Sillicon Valley? Quelle: Pixabay.

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Die Evolution der Arbeit

Arbeit – notwendiges Übel oder überholtes Konzept?

Unserer Generation wird gerne nachgesagt, sie sei auf der ständigen Suche nach Sinnstiftung, würde alles hinterfragen und so gängige Strukturen aufbrechen. Die so genannte Generation Y frage stets nach dem warum und präferiere hehre Ziele gegenüber üppigem Gehalt. Auch im Arbeitsleben setze sie Maßstäbe. Home-Office, Flex-Arbeitszeiten, Sabbaticals und die generelle Work-Life-Balance – nie wurde so viel über die Veränderung der Arbeitswelt durch eine einzige Generation palavert wie heutzutage. Immer neue Begriffe werden erdacht, um die angeblich so anspruchsvollen, aber zugleich höchst paradoxen „jungen Leute“ sowie ihre Ansprüche zu beschreiben. Vieles davon kann getrost als Blödsinn abqualifiziert werden, eine Wahrnehmung dürfte jedoch zutreffend sein. Die Vorstellung, dass wir die nächsten 45 oder 50 Jahre bis zur Rente (falls es diese dann noch geben sollte) arbeiten, ist für uns eine Horrorvorstellung. Was hat man schließlich noch vom Leben, wenn man fünf Tage die Woche im Büro sitzt? Wenigstens haben wir heute die Möglichkeit, Alternativen zu prüfen – dies war längst nicht immer so. Dieser Beitrag liefert einen Abriss über die Geschichte der Arbeit und alternative bzw. zukünftige Modelle.

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Relikte einer vergangenen Zeit: Welcher Werkzeuge bedienen wir uns in der Zukunft bzw. müssen wir uns überhaupt noch ihrer bedienen? Quelle: Pexels.

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Nebenkriegsschauplätze

Wie wir uns stets an Kleinigkeiten aufhängen

Tatort Limburg: Ein Glockenspiel, ein Schießgewehr und eine Veganerin. Eine Konstellation, die im ersten Moment völlig absurd klingt, sorgte vor einigen Wochen für den „Aufreger“ in Deutschland. Eine Frau störte sich an dem Lied „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“, welches – neben weiterem deutschen Liedgut – regelmäßig vom Limburger Rathaus dröhnte. Nachdem sich dabei alle zuerst auf den Umstand gestürzt hatten, dass es sich bei der besagten Dame um eine Veganerin handelt, wurde später klar, dass es ihr gar nicht so sehr um die Tiere als solche ging, sondern eher um die Erwähnung eines „Schießgewehrs“ in der zweiten Strophe des Liedes. Der Bürgermeister der hessischen Kreisstadt ließ das Lied auf jeden Fall von der „Playlist“ des Glockenspiels entfernen, was jedoch für noch mehr Unmut sorgte. Während Fleischfetischisten bereits die vegane Kulturrevolution witterten, sagten völkische Identitäre die Abschaffung des Deutschtums voraus.

Handelt es sich hierbei um die vielzitierten first world problems oder steht der beschriebene Vorfall exemplarisch für unser Versagen, uns den ganz großen Problemen zu stellen? Angesichts der Lage in der Welt muss man sich tatsächlich fragen, warum wir uns mit derlei Nebenkriegsschauplätzen überhaupt noch befassen. Oder ist es gerade diese Komplexität des großen Ganzen, die unsern Fokus auf die „kleinen Dinge“ verlagert?

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Sehen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht? Was sind relevante Themen und was Nebenkriegsschauplätze? Quelle: Pexels.

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In eigener Sache

Wie einige Leser bereits bemerkt haben dürften, erschien an diesem Montag (27.02.2017) kein Artikel auf meinungsselfies. Da Alexander und ich durch unser Studium momentan relativ eingespannt sind, mussten wir diese Woche eine kleine Pause einlegen, um unseren universitären Verpflichtungen nachzukommen. Ab nächsten Montag (06.03.2017) geht es jedoch wieder im gewohnten Rhythmus weiter. Bis dahin!

Lars & Alexander

Der ist so wie ich!

Über die Bedeutung von Gruppen und Ähnlichkeit

Wenn eine parlamentarische Assistentin 900€ im Monat verdient und eine andere 7000€, dann muss das noch lange nicht heißen, dass letztere fast siebenmal mehr oder besser gearbeitet hat. Im vorliegenden Fall bestand die Qualifikation der besagten Dame lediglich darin, die Frau desjenigen zu sein, der über die Verteilung des Geldes entscheidet. Es geht um Francois Fillon, den Präsidentschaftskandidaten der Konservativen in Frankreich und seine Frau Penelope, der er relativ viel Geld für Schein-Jobs bezahlt haben soll. Unter dem Titel „Machtklubs aus der Studenten-WG“ thematisierte die ZEIT diesen und weitere Fälle von Korruption in Frankreich und stellte dabei fest, dass es letztlich doch immer die gleichen seien, die sich – trotz aller Skandale – die höchsten Ämter des Landes zuschieben. Dass dies längst nicht nur ein Problem in der Politik ist, beweist das Bankenwesen wo Banker, die etliche Millionen in den Sand gesetzt haben, trotzdem kurze Zeit später wieder als „Berater“ eingestellt werden. Doch wie kommt es dazu?

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Man kennt sich, man schätzt sich: Wer aufsteigen will, der ist besser ähnlich. Quelle: fotolia.

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Gutes Handy, böses Handy

Über die Auswirkungen exzessiver Smartphone-Nutzung

Vor gar nicht allzu langer Zeit nutzten große IT-Firmen wie IBM zum Rechnen noch riesengroße quaderförmige Kisten, heute steckt in einem Smartphone die gleiche Rechenleistung, die die NASA in den 1960er-Jahren für ihr Apollo-Programm zur Verfügung hatte. Tatsächlich hat sich die Technologie rasant entwickelt und wir bedienen uns ihrer wie selbstverständlich. Sinnbildlich dafür steht das Smartphone, das längst nicht mehr nur ein technisches Gimmick ist, sondern mittlerweile tief in unserem Alltag verwurzelt zu sein scheint. Zahlen der ARD zufolge besitzen etwa drei Viertel der Deutschen ein Smartphone und verbringen damit durchschnittlich drei Stunden am Tag. Wir telefonieren, chatten, shoppen und schauen Filme und Serien über unsere kleinen Begleiter. Kaum eine Stunde des Tages vergeht ohne dass wir den Blick auf sie richten. Obwohl in vielen Dingen äußerst hilfreich (ohne hier alle positiven Aspekte aufzuzählen), müssen auch die Schattenseiten der Technik betrachtet werden. Dieser Beitrag unternimmt einen Versuch in diese Richtung.

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Smartphones: Der neue beste Freund des Menschen?! Quelle: Pexels.

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Das Zeitalter des Politainments

Wenn Politik zur Show verkommt

Es vergeht aktuell kein Tag an dem die hiesige Medienlandschaft nicht darauf aufmerksam macht, wie sehr sie den in den nächsten Tagen endgültig abtretenden Barack Obama vermissen wird. Videos seiner besten Momenten (meist lachend und tanzend mit diversen Musik-Legenden), nicht aufhörende Collagen aus Schnappschüssen seiner Amtszeit, die das Leben „hinter den Kulissen“ dokumentieren sollen sowie unzählige Kommentare, die sein politisches Vermächtnis doch recht wohlwollend bewerten (die Republikaner sind halt Schuld!). Dabei fällt auf, dass es erschreckend wenig um die eigentlichen Inhalte seiner Politik geht, die ja durchaus auch zu kritisieren wären (Stichwort „Drohnenkrieg“), sondern vielmehr um die Person Obama, seine Frau Michelle sowie seine gesamte Familie. Es soll in diesem Beitrag also nicht darum gehen, die Zeit Obamas und ihre Erfolge bzw. Misserfolge zu beleuchten, sondern vielmehr darum, dass und wieso Inhalte in der Politik schon längst keine Rolle mehr spielen.

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Obama mit der ehemaligen Kunstturnerin McKayla Maroney: Wo hört Politik auf und wo fängt Show an? Quelle: Pixabay.

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