Insekten

Die Nahrung der Zukunft

Im vergangen Jahr thematisierte einer unserer meinungsselfies bereits den ökologischen Fußabdruck der Viehwirtschaft und die Folgen, die der maßlose Fleischkonsum der westlichen Welt nach sich zieht. Auch in diesem Jahr genießen wir wieder die sommerliche Grillsaison, während gleichzeitig gegen eine der größten Hungerskatastrophen der Menschheitsgeschichte angekämpft wird. Knapp 20 Millionen Menschen in Somalia, Südsudan, Nigeria und Jemen sind besonders betroffen. Diese humanitäre Katastrophe hat natürlich viele Ursachen und liegt nicht in erster Linie an unseren Nackensteaks vom letzten Wochenende. Zwar macht sich unverkennbar in den betroffenen Gebieten der Klimawandel besonders stark bemerkbar: Seit Jahren bleibt Regen aus, Ackerland versteppt, Nutztiere magern ab und sterben. Allerdings sind diese Länder vor allem politisch höchst instabil. Nigeria wird von der Boko-Haram-Miliz terrorisiert, im Jemen und Südsudan herrscht Bürgerkrieg und Somalia ist praktisch das Paradebeispiel eines failed state. Diese Zustände erschweren es enorm, der Zivilbevölkerung Hilfe zu bringen oder gar Präventionsmaßnahmen zu ergreifen. Dennoch ermahnen uns die immer erschreckenderen Ereignisse in der Dritten Welt immer wieder unseren Konsum zu überdenken, denn bald neun Milliarden Erdenbewohner können sich nicht alle von Rind, Schwein und Geflügel ernähren.

Vegetarismus und Veganismus sind bekanntermaßen besonders emotional aufgeladene Themen. Stumpfe Parolen, wie „Von dem Kaninchenfutter werde ich nicht satt!“, mal außen vor, können sich viele Menschen, der Verfasser eingeschlossen, einfach nicht vorstellen, ihre Ernährung größtenteils oder gänzlich ohne tierische Komponenten zu bestreiten. Klimaverträgliche Abhilfe verspricht da eine (bei uns) ungenutzte Fleisch- und Eiweißquelle, die allerdings mit einiger Überwindung verbunden ist: Insekten.

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Vom Feld bald auf den Teller? Insekten als gewöhnungsbedürftige Fleischalternative. Quelle: Pixabay.

Unterschiedliche Maßstäbe

In Teilen Asiens, Afrikas, Südamerikas und Australiens ist der Verzehr von Insekten als (notwendige) Alternative zum herkömmlichen Fleisch ziemlich normal. Geschätzt über zwei Milliarden Menschen essen 1900 als essbar gelistete Insektenarten. Im westlich-europäischen Kulturraum sind Insekten dagegen hauptsächlich mit Ekelgefühlen verbunden und kommen als Nahrung bloß für Dschungelcampteilnehmer in Frage, obwohl andere Gliederfüßer wie Krabben und Krebse mitunter gar als Delikatesse durchgehen. Über die Ursachen dieses Nahrungstabus gibt es verschiedene Theorien. Insekten gelten als „schmutzige“ Schädlinge, die Menschen aus der Dritten Welt eben essen müssen, weil sie sonst nichts haben, während die zivilisierte Welt so eine primitive Ernährungsweise nicht nötig hat. Zudem ist es in unseren Breitengraden im Winter zu kalt für Insekten in der freien Natur, sodass sie womöglich deshalb hier nie ein Nahrungsbestandteil wurden.

Ein Muster an Effizienz

Es gibt jedoch einige Argumente, sie in Zukunft zu einem Nahrungsmittel zu machen. Insekten haben einen hohen Eiweißgehalt („Get those gains, Bro!“) und liefern Mineralien sowie ungesättigte Fettsäuren. In der Aufzucht brauchen Insekten weniger Futter, da sie im Gegensatz zu Warmblütern wie Rind und Schwein keine Energie zur Aufrechterhaltung ihrer Körpertemperatur aufwenden müssen. Das Futter, das sie fressen, wandeln sie zudem in einer besseren Rate in Masse um. Während für ein Kilo Rindfleisch acht Kilo Futtermittel verwendet werden, ist bei Insekten das Verhältnis 1:2. Des Weiteren kann man den größten Teil ihres Körpers essen. Abzüglich des Exoskeletts bleiben etwa bei Grillen noch etwa 80% des Körpergewichts übrig. Bei den klassischen Nutztieren kommt es zu viel mehr Ausschuss.  Schließlich brauchen Insekten auch noch weniger Wasser, produzieren weniger Treibhausgase, pflanzen sich schneller fort und benötigen weniger Platz zur Aufzucht. Worauf wartet man da eigentlich noch?

Nicht zu schnell

Es gibt natürlich auch eine Kehrseite der Medaille. Insekten sind als Nahrungsquelle bisher wenig erforscht. Man weiß noch nicht, inwieweit sich in ihnen Schadstoffe, allergene Strukturen, Pilze oder Erreger ansiedeln können. Zudem ist noch unbekannt, welche Konsequenzen die Insektenzucht im großindustriellen Stil hätte. Damit eine derart gigantische Masse an Tieren auf engstem Raum gesund bleibt, kämen wahrscheinlich Medikamente zum Einsatz. Nicht zuletzt kann man auch Insekten ja nicht einfach mit Müll füttern, sondern auch ihre Nahrung muss hygienisch einwandfrei sein, wenn der Mensch sie verzehren will. Die Salatberge die dafür angebaut werden müssten, sollte der Mensch dann besser gleich selbst essen.

Fazit

Bevor wir also in Zukunft Heuschrecken und Maden statt Steaks und Würstchen auf den Grill muss also noch einiges an Forschung und Überwindung geleistet werden. Eine lohnenswerte Möglichkeit für die nähere Zukunft wäre es allerdings, unsere üblichen Nutztiere mit Insektenmehl anstelle des üblichen Mais- oder Sojamehls zu füttern. Dann würden vielleicht nicht mehr so viele Ackerflächen für Tierfutter genutzt, während anderswo auf dem Planeten Menschen den Hungertod sterben.

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