Die intelligente Idealgesellschaft

Wie der Traum von Harmonie in der Realität spaltet

Es ist jetzt etwas mehr als ein Jahr her, dass ich meinen ersten meinungsselfie veröffentlicht habe. Damals ging es um das Thema Allgemeinwissen: Was gehört heutzutage in einen allgemeinen Wissenskanon? Braucht man einen solchen überhaupt noch, wenn man im Internet jederzeit Zugriff auf jede gewünschte Information hat? Sollte man sich darum nicht besser spezialisieren? Was in diesem Artikel überhaupt nicht im Fokus stand, war die Verbindung von Allgemeinwissen und Intelligenz. Wer viel weiß, wird in der Regel auch als besonders klug angesehen, man denke nur an die „Superbrains“ und „Quizgötter“ der einschlägigen TV-Formate. Dabei braucht man für ein großes Allgemeinwissen nur die Bereitschaft, möglichst viele Informationen zu konsumieren, und ein gutes Gedächtnis, um diese zu speichern. Mit Intelligenz hat das erstmal nur bedingt zu tun, jedoch neigen wir durch den anschaulichen Charakter von Wissensdemonstrationen dazu, einem solchen Menschen auch eine hohe Intelligenz zuzusprechen – und damit auch hohes Prestige. Denn neben Reichtum, Macht und Ansehen ist Intelligenz ein Mittel sozialer Stratifikation in unserer modernen, demokratischen (westlichen) Gesellschaft. Im Grunde ist es sogar das entscheidende Mittel, schließlich lassen sich mithilfe von Intelligenz die anderen drei erreichen. Dementsprechend kann es für jeden Menschen eigentlich nur erstrebenswert sein, möglichst intelligent zu sein. Ebenso profitiert die Gesellschaft insgesamt von vielen intelligenten Menschen, die wichtige Positionen besetzen können, gute Arbeit leisten und Innovationskraft demonstrieren. Wie also schafft man eine möglichst intelligente Gesellschaft?

ceremony-1866532_640

Typische Graduation Ceremony – Gleichzeitig aber auch Graduierung der Gesellschaft. Quelle: Pixabay.

Weiterlesen

Privatisierung

Schlanker Staat – Besserer Staat?

Aus früher Kindheit oder Gesprächen mit älteren Mitmenschen mag sich unsere jüngere Leserschaft vielleicht noch an Bezeichnungen und Ausdrucksweisen erinnern, wie: „Er ist Bahnbeamter“ oder „Ich gehe zum/aufs Postamt“. Für Menschen, die erst ab den späten 1980er Jahren geboren sind, erscheinen solche Ausdrücke altertümlich und unpassend. Wir würden eher von einem Bahnangestellten oder einer Postfiliale sprechen. Den Grund dafür kennen die meisten sicherlich: Die deutsche Bahn, die Post, aber auch die Lufthansa oder die Telekom waren bis vor etwas mehr als zwanzig Jahren in staatlichem Besitz und ihre Arbeitskräfte zum größten Teil Beamte. Ab den 1990er Jahren wurden diese Behörden jedoch in Teilen oder auch ganz zu privaten Unternehmen, die neue Arbeitskräfte nur noch als Angestellte einstellten, auch wenn Bezeichnungen wie „…beamter“ noch weiterleben. Der jüngeren Generation ist der alte Status dagegen schon gar nicht mehr bewusst. Dennoch ist das Thema Privatisierung nach wie vor brandaktuell, zuletzt standen die deutschen Autobahnen diesbezüglich im Fokus. In diesem Artikel soll ein wenig ausgeleuchtet werden, ob und wann sich Privatisierung lohnt, wann nicht, und wann sie vielleicht sogar zu einer Gefahr wird.

railway-station-2048741_640

Die öffentliche Infrastruktur – Besser aufgehoben in privater Hand? Quelle: Pixabay.

Weiterlesen

Das Produktivitätsparadox

Über zurückgehende Produktivität in Zeiten der Innovation

Produktivität ist längst nicht mehr nur ein Terminus aus der Ökonomie, sondern seit einiger Zeit auch in der politischen Arena angekommen. Denn: eine Steigerung der Arbeitsproduktivität, also die Erhöhung des Outputs (Produktionsergebnis) pro eingesetzter Input-Einheit (z.B. Arbeit), geht in der Regel mit jenem wirtschaftlichem Wachstum einher, das Politiker nur allzu gerne im Munde führen, wenn es auf Wahlen zugeht. Tatsächlich kann mit einigem Recht die These vertreten werden, dass es Menschen wirtschaftlich besser geht, wenn eine Gesellschaft Wachstum und Produktivitätssteigerungen generiert, da dann meistens auch die Löhne steigen. Dumm nur, dass die Arbeitsproduktivität in den westlichen Industrien schon seit einiger Zeit stagniert, in manchen Ländern gar rückläufig ist. Wie passt dies mit dem Hype um die Wertschöpfungspotenziale der Digitalisierung zusammen, die bereits seit der Jahrtausendwende propagiert werden? Werden wir überhaupt nicht produktiver oder bilden vorherrschende Untersuchungen das Konstrukt „Produktivität“ nur unzureichend ab?

monitor-1307227_1280

Verschafft uns die vollständig vernetzte Welt bald große Produktivitätssprünge oder handelt es sich schlicht um Propaganda aus dem Sillicon Valley? Quelle: Pixabay.

Weiterlesen