As good as gold

Über den enormen Einfluss eines chemischen Elements

„Es ist nicht alles Gold, was glänzt.“; „Gold wert sein“; Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.“; „Die goldene Mitte“; „Ein goldener Oktober“; „Eine goldene Regel“…

Mit einer Auflistung aller deutschen Redewendungen zum Thema Gold ließe sich wohl schon der halbe Artikel füllen – und dann könnte man noch in anderen Sprachen fortfahren. Deutlich wird aber bereits jetzt, welch hohe metaphorische Symbolkraft das Edelmetall schon immer in unserer Sprache und damit auch in unserem Denken hatte. Gold ist der Stoff, aus dem die Träume sind, und steht seit jeher für etwas Edles, Reines und Wertvolles. Und erstaunlicherweise übt Gold auf alle Menschen, unabhängig von Sozialisation und Herkunft, eine enorme Anziehungskraft aus. Egal auf welchem Kontinent, egal auf welchem kulturellen Niveau, schon immer gruben Menschen nach Gold, fertigten daraus Schmuck, verzierten damit Gebäude, ehrten damit die Götter, nutzten es als Zeichen für Macht und Reichtum. Wie das Metall auch heute noch eine zentrale Rolle in unserer globalisierten Welt spielt, darum soll es in diesem Artikel gehen.

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Die Anziehungskraft des Goldes- Wer hätte diese Barren nicht gern? Quelle: Pixabay

Der Wert des Goldes

Was zeichnet Gold aus? Erstens: Es glänzt schön und ist sehr weich, sodass man es gut be- und verarbeiten kann, ideal also für Verzierungen und Schmuck. Zweitens: Es gibt ziemlich wenig davon, das meiste Gold auf, oder besser, in der Erde hat sich in der Frühphase des Planeten nahe am Erdkern abgelagert und ist damit unerreichbar. Für uns sind nur die wenigen Reste verfügbar, die knapp unter der Erdkruste geblieben oder durch Erdaktivitäten wieder nach oben gespült worden sind. Mehr wäre nur noch über Weltraumbergbau zu bekommen, dessen Zukunft aber noch in den Sternen steht.  Drittens: Die Förderung von Gold war und ist sehr aufwendig: Für eine Unze Gold müssen auch heute noch ca. 38 Arbeitsstunden aufgewendet werden.

Durch diese drei Qualitäten, Attraktivität, Rarität und mit der Gewinnung verbundener Arbeitsaufwand, war Gold schon immer dafür prädestiniert, als Währung eingesetzt zu werden, denn sein Wert ist immer verlässlich und stabil.  So war beispielsweise im römischen Reich der Aureus („der goldene“) die wertvollste Münze. Natürlich kamen auch damals schon Phasen der Inflation vor. Wurde das Gold knapp, verringerten die Münzprägestätten den tatsächlichen Goldanteil pro Münze und „streckten“ sie mit minderwertigeren Metallen. Mit Einführung des Papiergeldes veränderte sich dann die Funktion von Gold vom tatsächlichen Zahlungsmittel hin zum Wertmaßstab, dem Goldstandard. Das materiell wertlose Papiergeld repräsentierte also einen Besitzanspruch auf eine bestimmte Menge Goldes, die der Geldeinheit seinen Wert verlieh. Den Kurs dafür setzte die jeweilige Notenbank eines Landes fest, die dafür natürlich über entsprechende Goldreserven verfügen musste.

Tödliche Gier

Somit ist der Besitz großer Goldmengen für Staaten schon immer von großer Wichtigkeit gewesen, garantieren sie doch die wirtschaftliche Stabilität und nationale Souveränität. Wer Gold hat, muss sich von anderen nicht herumschubsen lassen. Es ist darum nicht verwunderlich, dass Gold auch immer eine attraktive Kriegsbeute, wenn nicht gar ein Kriegsgrund ist. Als Nazi-Deutschland 1939 Europa überfiel, war dies wohl weniger durch wirre Großmachtsphantasien motiviert als vielmehr, um durch Plünderung der Nachbarländer die Kosten von 20 Jahren Versailler Vertrag, Weltwirtschaftskrise sowie Aufrüstungs- und Investitionsprogrammen wieder reinzuholen. Als der Sprung über den Ärmelkanal drohte, gehörte es zu den ersten Maßnahmen Großbritanniens, die eigenen Goldreserven in geheimen Nacht-und-Nebel-Aktionen nach Kanada in Sicherheit zu bringen. Und auch die barbarische Praxis, den in den Konzentrationslagern Ermordeten ihren Schmuck abzunehmen und ihre Zahnkronen herauszubrechen, zeigt, wie notwendig Gold in Krisenzeiten ist. Ab den 1970er Jahren verabschiedeten sich die großen Industrienationen davon, ihre Währungen mit dem Goldstandard zu decken. Der Grund war einfach: Ist eine Währung an die eigenen Goldreserven gekoppelt, kann man nur begrenzt neues Geld herausgeben und Schulden machen. Die internationalen Goldreserven machen heute nur noch etwa 10% der insgesamten Währungsreserven aus. Und das hat einige Konsequenzen.

Absurditäten des Marktes

Gold ist (wie auch andere Edelmetalle) aufgrund seiner oben dargestellten Qualitäten eine beliebte Wertanlage und ein gern gehandelter Rohstoff. Das hat mittlerweile jedoch zur Folge, dass auf den internationalen Finanzmärkten mit mehr Gold gehandelt wird als eigentlich real verfügbar ist, was die Tür für Betrugsmöglichkeiten öffnet. Vor einigen Jahren ereignete sich in den USA ein kurioser Fall: Ein Anleger hatte bei einer Bank Silberbarren gekauft. Für diese Anlage zahlte er der Bank jahrelang Lagergebühren. Logischerweise nahm er an, dass darum seine Silberbarren in einem Tresorraum der Bank aufbewahrt würden. Eines Tages wollte er sich diese einmal ansehen, doch die Bank konnte ihm nichts zeigen, denn sie hatte überhaupt kein Silber im Tresor. Der verklausulierte Anlagevertrag, den der Bankkunde damals abgeschlossen hatte, erweckte bloß den Anschein, er hätte reales Silber gekauft. Tatsächlich hatte er aber nur den Besitzanspruch auf die entsprechende Menge erworben, ohne dass die Bank diese vorrätig hatte. Die Bank bereicherte sich in dieser Zeit an den Lagergebühren. Für den Anleger und weitere betrogene Kunden hatte die Angelegenheit ein verhältnismäßig gutes Ende, denn sie verklagten die Bank und bekamen die Lagergebühren mit Zinsen zurück. Doch zeigt dieser Fall, wie gefährlich der Edelmetallhandel sein kann. Es wird nicht mehr Edelmetall gekauft, um es als reale Sicherheit zu besitzen, sondern der bloße Besitzanspruch auf eine bestimmte Menge wird erworben, mit dem Ziel, diesen schnell für einen höheren Preis weiterzuverkaufen, um Profit zu machen. Wenn die gehandelte Rohstoffmenge größer ist als die tatsächlich existierende, werden zum einen Preismanipulationen durch schnelles Ver- und Ankaufen der Rohstoffe möglich, zum anderen bricht das System zusammen, wenn in einer Krisensituation plötzlich alle ihre Besitzansprüche einlösen wollen, obwohl diese gar nicht alle auf einmal befriedigt werden können.

Düstere Aussichten?

Und noch eine Gefahr hat der freie Goldhandel mit sich gebracht. Wie oben erklärt, hängt die Sicherheit der nationalen Souveränität eines Landes von dessen Goldreserven ab. Aber sind diese überhaupt noch vorhanden? Jedem ist sicherlich Fort Knox ein Begriff, der amerikanische Militärstützpunkt in Kentucky, der als Lager eines Großteils der Goldreserven der USA dient. Die letzte publik gemachte Zählung der dortigen Bestände fand aber in den 1950er Jahren statt! Seitdem weiß außer den wenigen Eingeweihten niemand genau, wieviel Gold eigentlich noch da ist. Eine andere bedeutende Lagerstätte ist die Federal Reserve Bank in New York. Hier ist unter anderem auch ein wesentlicher Teil der deutschen Goldreserven deponiert. Als vor einigen Jahren deutsche Regierungsvertreter Zugang zu den Tresorräumen forderten, um die Bestände zu kontrollieren, lehnte die Fed dies mit Verweis auf Sicherheitsbedenken ab – etwa weil gar nicht mehr alles da ist? Die große Geheimnistuerei um die Goldreserven in vielen westlichen Industrienationen legt den Verdacht nahe, dass hier Sicherheiten vorgetäuscht werden, die so gar nicht mehr vorhanden sind. Bekannt ist hingegen, dass Staaten wie Russland oder China seit Jahren ihre Goldreserven vergrößern. Ohne den Teufel an die Wand malen zu wollen, kann man dennoch um das internationale wirtschaftliche Kräfteverhältnis in Sorge sein.

Fazit

Abschließend kommt man nicht umhin, zu bewundern, wie sehr dieses gelblich glänzende Edelmetall unser Zusammenleben seit Jahrtausenden prägt. Man muss sich dabei immer bewusst machen, dass dies nur deshalb der Fall ist, weil die Menschheit ausgerechnet diesem Rohstoff so viel Wert beimisst, obwohl letzterer ja eigentlich nur imaginär ist. Was wäre, wenn sich die Führer der Weltgemeinschaft morgen vor die Presse stellen und verkünden würden, Gold sei nichts mehr wert?

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