Elektromobilität

Fahren deutsche Autobauer nur hinterher?

Die Deutschen und die Autos – seit jeher eine Liebesbeziehung. Als eines von nur noch wenigen Ländern leistet sich die Bundesrepublik noch Autobahnen ohne Tempolimit. Die Einführung eines solchen im Wahlkampf zu erwähnen, ist ein Schuss ins eigene Bein. „Freie Fahrt für freie Bürger“, lautet das niemals aussterbende Totschlagargument. Darüber hinaus ist die deutsche Automobilindustrie der mit großem Abstand bedeutendste nationale Industriezweig und das Land der weltweit größte PKW-Exporteur. Auch ein Zeichen für die globale Wertschätzung, die deutschen Autos entgegengebracht wird – zumindest galt dies, bevor der Abgasskandal die weiße Weste von VW und anderen deutschen Marken stark beschmutzt hat. Die Manipulation von Abgaswerten ist aber nicht nur bloße Schummelei, um Entwicklungskosten zu sparen. Es ist auch ein Signal dafür, dass Autobauer mittlerweile an Grenzen stoßen, wenn sie Autos mit klassischem Verbrennungsmotor an die immer strenger werdenden Umweltstandards anpassen müssen. Der Reformdruck deutet auf ein klares Ziel hin: Elektroautos.

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Vorbote der Zukunft – Elektroauto an der „Tankstelle“. Quelle: Pixabay.

(Noch) kein Wechselanreiz

Grundsätzlich führt an Elektroautos für alle Parteien kein Weg vorbei. Die Politik hat sich durch den Weltklimavertrag von Paris Ziele hinsichtlich des CO2-Ausstoßes gesetzt, die mit Verbrennungsmotoren nicht zu erreichen sind. Die Autobauer sind dadurch gezwungen, eben solche zu produzieren, wollen sie auch weiterhin rentable Geschäfte machen. Die zur Neige gehenden Ölreserven, die den Erdölpreis zwangsläufig steigen lassen werden, tun ihr Übriges. Wenn gleichzeitig die Kosten für Akkuherstellung und Erzeugung von Elektroenergie sinken, ist ein Elektroauto auch für die Endkunden im Autohaus die günstigere Alternative. Aktuell ist das natürlich noch Zukunftsmusik. Falls Sie in letzter Zeit selbst vor einem Autokauf standen und dabei vielleicht über ein Elektroauto nachgedacht haben, lagen die Gründe dagegen sicherlich schnell auf der Hand. Zunächst mal sind Autos mit Elektromotor im Schnitt doppelt so teuer wie Verbrenner und haben dafür bei vollem „Tank“ nur die halbe Reichweite. Für das notwendigerweise häufigere Wiederaufladen müsste dementsprechend eine ausreichend große Infrastruktur von Ladesäulen zur Verfügung  stehen, die speziell in ländlichen Gebieten noch nicht vorhanden ist. Schlussendlich sind mit Strom betriebene Fahrzeuge natürlich auch nur dann klimaneutral, wenn dieser durch erneuerbare Energien produziert wird.

Erste Bemühungen der Politik

Was ist also zu tun, um Deutschland in diesem Bereich zukunftsfähig zu machen? Eine verbesserte Infrastruktur und ein höherer Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung ließen sich mit ausreichend hohen Investitionen vergleichsweise „einfach“ erreichen. Autobauer und Endkunden stellen dagegen eine wesentlich härtere Nuss dar. Als Anreiz für den Kauf eines Elektroautos kann seit Mitte 2016 ein Zuschuss von 4000€ (bzw. 3000€ für ein Hybridfahrzeug) beantragt werden, der zu gleichen Teilen vom Bund und vom Hersteller ausgeschüttet wird. Angesichts der (noch) sehr hohen Preise wird diese Prämie aber nur von Kunden in Anspruch genommen, die sich wahrscheinlich auch den vollen Kaufpreis leisten könnten. Alle anderen greifen weiterhin zu den klassischen Fahrzeugen. Somit ist es nicht verwunderlich, dass seit Einführung noch keine 10.000 Fahrzeuge bezuschusst wurden. Verkehrsminister Dobrindt sieht darin allerdings keinen Anlass zur Sorge und setzt auf eine sukzessiv steigende Nachfrage in naher Zukunft. Grundsätzlich ist dagegen auch nichts einzuwenden, wenn Wege gefunden werden, Elektroautos preiswerter zu produzieren. Hier stünden die Autobauer in der Pflicht.

Unangenehmer Reformdruck

Zwar hat mittlerweile jeder Fahrzeughersteller ein elektrisch betriebenes Modell in seiner Flotte, allerdings erwecken diese eher den Eindruck von bloßen Prestigeprojekten, mit denen Subventionen und Fördergelder abgegriffen werden sollen. Die Elektromodelle werden kaum beworben, schließlich werden sie auch von den Kunden kaum nachgefragt – ein Teufelskreis. Zudem ist den Autobauern daran gelegen, so lange wie möglich Verbrenner produzieren und verkaufen zu können. Darauf sind die Produktionsanlagen ausgerichtet, damit kennen sie sich aus, dafür werden keine teuren Entwicklungskosten fällig (die steckt man dann lieber in Schummelsoftware). Wie eingangs schon gesagt, machen die Klimapolitik der Weltgemeinschaft und die Endlichkeit der Ölreserven den Umschwung auf Elektroautos unausweichlich. Für das Klima ist das auf jeden Fall eine gute Nachricht, für die deutsche Wirtschaft aber eine große Herausforderung. China, der weltweit größte Automobilmarkt, hat für 2018 eine Quote für Elektroautos angekündigt (kein Wunder, wenn man sieht, wie dessen Großstädte im Smog ersticken). Will die deutsche Automobilindustrie auch weiterhin exportstark und international konkurrenzfähig bleiben, darf sie jetzt den Anschluss nicht verpassen und muss in Innovation und Entwicklung investieren, um klimafreundliche Politik mit wirtschaftlichem Erfolg zu verbinden.

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