Von der Angst der Märkte

Rechtspopulisten schüren Angst vor der Globalisierung

Ein Gastbeitrag von Karsten Seidelmeier, Student der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Passau.

Einer der Eckpfeiler für den Erfolg der weltweiten rechtspopulistischen Bewegung ist das angebliche Übel der Globalisierung. Neben Themen wie Migration, Terrorismus und Krieg hat auch die Wirtschaftspolitik eine tragende Rolle inne. „Der Euro muss weg!“ ist wohl eine der bekanntesten Parolen, die einem in den vergangenen Monaten in die rechte Ohrmuschel dröhnte. Zwar wissen die meisten Europäer nicht einmal welche positiven oder negativen Auswirkungen eine Abschaffung des Euros hätte, aber man muss zugeben, dass die Aussage zweifelsohne einen intensiven Klang hat. Durch die steigende Zustimmung für die Populisten bildet sich also auch im Bereich der Wirtschaft eine gewisse Besorgnis heraus. Besonders nach der Wahl Trumps zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten liest man immer häufiger Meldungen über die Sorge von Konzernen über seine Auswirkungen auf die Märkte. Es kommt also die Frage auf, ob und inwieweit die geforderte Kehrtwende in der Wirtschaftspolitik eine Gefahr für die weltweite Marktwirtschaft darstellt.

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Noch drehen sich die Zahnräder der Weltwirtschaft. Quelle: Pixabay.

Wirtschaftspläne der Populisten

Allgemein steht die Politik von AfD, Front National und Co. unter dem Stern des Protektionismus. Das bedeutet hohe Zölle, Importquoten und viele staatliche Subventionen. Die Argumente hierfür liegen auf der Hand:  Bestimmte Branchen, die im eigenen Land noch unterentwickelt und nicht wettbewerbsfähig sind, mit Steuergeldern unterstützen. Außerdem sollen durch hohe Zölle und Importquoten ausländische Firmen davon abgehalten werden in das Land zu exportieren.  So wird einheimischen Firmen der internationale Wettbewerbsdruck genommen – kurz gesagt also eine Abschottung vom Rest der Welt. In der Theorie florieren unterstützte Branchen, Arbeitsplätze werden generiert und die gesamte eigene Volkswirtschaft wird gestärkt. Hört sich ja eigentlich fantastisch an. Der Rechtspopulismus verlöre jedoch jegliche Kredibilität, wenn er tatsächlich mit einer rundum guten Idee für unsere Weltwirtschaft um die Ecke käme.

Kehrseiten des Protektionismus

Einen Schlag ins Gesicht bedeutet dies nämlich für den Freihandel und demzufolge alle Exportindustrien und -nationen. Darunter natürlich auch Deutschland. Verfechter des Freihandels kritisieren, dass Protektionisten absolute und komparative Kostenvorteile außer Acht lassen. Diese Theorien fußen auf der Prämisse, dass die Grundvoraussetzungen für Produktion verschiedener Nationen nicht gleich sind, sondern Unterschiede in Expertise, natürlichem Rohstoffvorkommen etc. bestehen. Es sollten sich also alle Länder auf Produkte oder Teilprodukte spezialisieren, diese exportieren und fehlende importieren, um maximale Effizienz zu generieren. Handelshemmnisse wie Zölle und Importquoten stellen also eine Behinderung dar und senken die weltweite Wirtschaftseffizienz in beachtlichem Maße.

Vereinfachtes Beispiel für absolute Kostenvorteile

Gehen wir von der Tatsache aus, dass Alexander ein besonders effizienter Bierbrauer ist, aber nicht so gut Flaschen blasen kann. Lars hingegen bläst die Flaschen wie ein Weltmeister, ihm mangelt es jedoch an Bierbrautalent. In der folgenden Tabelle sind ihre jeweiligen Zeiten und Kosten dargestellt:

Produkt Alexander Lars
1l Bier 20 Minuten + 1 Euro 80 Minuten + 5 Euro
1l Flasche 140 Minuten + 14 Euro 100 Minuten + 8 Euro

Ohne freien Handel zwischen den beiden müsste Alexander also für eine Flasche Bier 160 Minuten und 15 Euro und Lars 180 Minuten und 13 Euro aufbringen. Sollte jedoch freier Handel zwischen ihnen bestehen, würde Alexander sich auf das Brauen von Bier und Lars auf das Blasen der Flaschen spezialisieren. So könnten beide (bei Vernachlässigung von Transaktionskosten) bereits nach 120 Minuten und für 9 Euro ihr Bier genießen!

Natürlich ein sehr oberflächliches Beispiel, jedoch gibt es im Kern die Vorteile von fehlenden Handelshemmnissen wieder.

Ist die Gefahr real?

Es stellt sich nun also die Frage, ob die Wirtschaft mit dem Vormarsch der Rechtspopulisten  tatsächlich einer Bedrohung gegenübersteht. Sollte tatsächlich die gesamte westliche Welt dem Irrsinn anheimfallen und der rechtspopulistische Traum von einer Welt nur noch aus abgeschotteten, fast geschlossenen Volkswirtschaften wahr werden, ist die Gefahr tatsächlich immanent. Doch sollten wir einen Rest Vernunft behalten und Wahlen wie die von Donald Trump oder der Brexit nur eine kurzzeitige Ausfallerscheinung der Moderne sein, sollte die Wirtschaft ihre Stabilität wahren. Selbst wenn Trump einige seiner „Drohungen“ wahr macht, Zölle drastisch erhöht und die amerikanische Unternehmenssteuer auf irrwitzige 15 Prozent senkt (derzeit 35 Prozent), wird schnell klar werden, dass der Staat solche Ausgaben nicht ohne signifikante Steuererhöhungen auf Kosten der Bürger stemmen kann. Dann wird auch der Mythos Trumps als Retter der Wirtschaft ein Ende finden und diese Erkenntnis hoffentlich auch auf Europa überschwappen.

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