Die Kraft der Erinnerung

Eine kurzer Ausflug in die menschliche Psyche

Man nehme eine der besten Serien der jüngeren TV-Geschichte, einen hervorragenden Schauspieler und ein paar Emotionen – fertig ist das Thema des heutigen Beitrags. Als Jon Hamm alias Donald Draper in der Erfolgsserie Mad Men Führungskräften der Firma Kodak vorschlägt, ihren relativ langweiligen Diaprojektor als ein mit Erinnerungen und Nostalgie beladenes „Karussell“ zu vermarkten, bringt er all das zum Ausdruck, was Erinnerungen für uns bedeuten (Donald Draper „The Carousel“). Erinnerungen geben uns ein wohliges Gefühl von Sicherheit und Vertrautheit, da wir den Ausgang der erlebten Situation bereits kennen. Sie sind überdies stets mit Emotionen verwoben und lösen, ob bewusst oder unbewusst, bestimmte Gefühle in uns aus. Auch deshalb trachten Werbetreibende häufig danach, uns eine – über die faktischen „Vorteile“ eines Produkts hinausgehende – emotionale Bindung zur Marke aufbauen zu lassen (Warum produziert Edeka beispielsweise einen Film über einen von Verwandten verlassenen alten Mann zur Weihnachtszeit?).

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Fenster in die Vergangenheit: Alte Fotobox als Startpunkt episodischer Erinnerungen. Quelle: Pexels.

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Der weiße Mann

Trauriges Ende einer Vorherrschaft

Auch wenn wir uns für meinungsselfies vorgenommen haben, uns grundsätzlich eher Themen zu widmen, die gerade nicht besonders stark auf dem medialen Radar vertreten sind, ist es schwer, die neue, durch die US-Wahl ausgelöste Dynamik im politischen und gesellschaftlichen Diskurs zu ignorieren. Deshalb nimmt auch der heutige Artikel bei der Wahl Donald Trumps seinen Anfang. In den beiden vergangenen Wochen standen bei der Nachlese dieses Ereignisses stets drei Fragen im Mittelpunkt: „Trumps Wahl – Katastrophe oder Revolution?“, „Was wird jetzt aus der Welt?“ und „Wie konnte es dazu kommen?“. Während die Antworten auf die beiden erstgenannten Fragen nur subjektiv bzw. spekulativ ausfallen konnten, ließen sich immerhin in Bezug auf letztere ein paar halbwegs begründete Aussagen treffen. Auf der Suche nach Ursachen wurden wahlweise die Medien, die sozialen Netzwerke, der Aufstand der Abgehängten gegen die Arroganz der Eliten, die Spaltung der Gesellschaft in den Obama-Jahren, die Person Hillary Clintons und weitere ausgemacht. Bei rund 60 Millionen Trump-Wählern werden auch alle genannten Gründe mehr oder weniger zutreffen. Gemeinsam ist diesen Erklärungsversuchen, dass sie speziell im Zusammenhang mit einer Bevölkerungsgruppe genannt werden: Weißen Männern.

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Der weiße Mann: Auf der Suche nach seinem Platz in der modernen Welt. Quelle: Pixabay.

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Geht die Welt bald unter?

Zwischen Erklärungsversuchen und Ohnmacht

Vor ein paar Monaten hörte ich bei Spotify den Podcast „Fest & Flauschig“ der Entertainer Jan Böhmermann und Olli Schulz. Der bezeichnende Titel der Episode: The Big Empty. Olli Schulz wirkte an diesem Tag irgendwie ausgelaugt und müde, lauschte die meiste Zeit den Abstrusitäten Böhmermanns und machte sich nur durch gelegentliches Gähnen bemerkbar. Keiner von beiden hatte irgendetwas Substanzielles zu sagen und doch redeten und redeten sie (das Konzept der Sendung auf den Punkt gebracht). Ich hingegen frage mich neuerdings immer öfter, was ich – angesichts der weltweiten Ereignisse – noch zu sagen (bzw. zu schreiben) habe und ob es nicht besser wäre, gleich ganz zu schweigen. Seit der US-Wahl vor ein paar Tagen fühle auch ich mich ziemlich leer, geschockt vom unerwarteten Ausgang und unfähig, mir die nahe Zukunft vorzustellen. Donald John Trump ist der neue „Führer der freien Welt“ und damit bald einer der mächtigsten Männer auf dem Planeten.

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President-elect Trump: Wahrgewordener Alptraum oder rechtzeitiger Warnschuss? Quelle: Pixabay.

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Der Staat bin ich!

Aus dem Leben eines Reichsbürgers

Nachdem im letzten Monat ein bayerischer Polizist bei einem Schusswechsel mit einem sogenannten „Reichsbürger“ ums Leben kam, als er die in dessen Haus gelagerten Waffen beschlagnahmen wollte, sind die „Reichsbürger“ in den Fokus der Behörden und des öffentlichen Interesses gerückt. In mehreren Bundesländern stuft der jeweilige Verfassungsschutz die Bewegung nun als rechtsextrem, verfassungsfeindlich und potentiell gefährlich ein und lässt sie überwachen. Innerhalb des mittlerweile recht vielfältigen Spektrums von Deutschen, die sich politisch schwach bis sehr stark rechts einordnen, von enttäuschten CDU-Wählern bis zu strammen Neonazis, bilden die „Reichsbürger“ die wohl sonderbarste Gruppierung. Im Folgenden soll einmal der Versuch unternommen werden, sich in die Gedankenwelt eines „Reichsbürgers“ hineinzudenken.

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Wieder wie sie über die Staatsgeschäfte beraten – Traum der „Reichsbürger“. Quelle: Pixabay.

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