Bergbau im Weltraum

The next grand adventure?

Kein Jahr vergeht, in dem uns nicht regelmäßig warnende Berichte darüber erreichen, was der Mensch dem Planeten antut: Erderwärmung, Schmelzen der Polkappen, Erhöhung des Meeresspiegels, Umweltverschmutzung, Artensterben und viel zu rasanter Rohstoffverbrauch. In Bezug auf den letztgenannten Punkt kommt meistens im Juli oder August die Meldung, dass die Menschheit die in diesem Jahr zur Verfügung stehenden Ressourcen bereits aufgebraucht hat und eigentlich zwei Erden pro Jahr benötigen würde, um ihren Verbrauch zu decken. Obwohl solche Mahnungen sich jedes Jahr wiederholen und dringlicher werden, sind die Reaktionen der Weltgemeinschaft halbherzig bis gleichgültig. Zu verlockend ist es, den kurzfristigen Profit zu genießen, anstatt teure, nachhaltige Konzepte zu verfolgen, die zukünftigen Generationen den Reichtum der Erde erhalten können. Wie traumhaft wäre es, wirklich einen zweiten Planeten mit großen Rohstoffmengen zur Verfügung zu haben? Tatsächlich gibt es Planungen in diese Richtung…

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Unscheinbarer Himmelskörper – Liegt hier zukünftiger Reichtum? Quelle: Pixabay

Ungeheurer Reichtum

Bei der Entstehung des Sonnensystems haben die Planeten ihren Anteil an Elementen erhalten. Ein gehöriger Teil der beteiligten Stoffe blieb aber als „Rest“ in Form von Asteroiden übrig, von denen Hunderttausende in völlig unterschiedlicher Größe und Zusammensetzung in unserem Sonnensystem vorhanden sind. In vielen Asteroiden werden hohe Konzentrationen von Edelmetallen wie Platin, Gold und Kupfer, aber auch Eisen und Aluminium vermutet. Um an derartige Konzentrationen auf der Erde zu gelangen, müsste man Grabungen bis zum Erdkern durchführen. Aufschluss über den Metallgehalt eines Asteroiden gibt seine Temperatur, die man durch Raumsonden mit Infrarotteleskop messen kann. Da Metalle Wärme besser leiten als Gestein, sind „kalte“ Asteroiden vielversprechender. Gelänge es, die im Weltall vorhandenen Ressourcen abzubauen und auf die Erde zu bringen, könnte der Rohstoffbedarf des Menschen auf ewig gedeckt werden. Frieden und Überfluss für immer?

Große Perspektiven, große Schwierigkeiten

Angelockt von den traumhaften Perspektiven des Weltraumbergbaus haben sich bereits einige namhafte Investoren gefunden, die in unterschiedlichen Formen an der „Kolonialisierung“ des (nahen) Alls interessiert sind: Unternehmer Richard Branson, Larry Page, der Gründer von Google, oder auch Jeff Bezos, CEO von Amazon. Das Land Luxemburg möchte in Zukunft sogar europäische Basis für den Abbau von Rohstoffen im Weltall werden und in Start-Ups solcher Art investieren (vielleicht auch deshalb, damit der Wohlstand des Landes nicht länger nur durch seinen Status als „attraktiver“ Finanzplatz zur Steuervermeidung gesichert wird).

Dennoch ist der Weg zum lukrativen Weltraumbergbau weit. Bisher konnten Sonden nur einige wenige Krümel der Oberfläche von Asteroiden zurückbringen. Richtigen Bergbau durchzuführen würde einen enormen Aufwand bedeuten: Zunächst ist es äußerst schwierig, auf Asteroiden zu landen, da sie aufgrund ihrer geringen Größe kaum Anziehungskraft haben. Anschließend müsste dort eine Mine eingerichtet werden, in der zum einen die Erze ausgegraben werden und zum anderen die Verhüttung stattfindet, also die Gewinnung der Metalle aus ihrem Erz. Für all diese Tätigkeiten müssten entsprechende Roboter entwickelt werden, da der Einsatz von Menschen noch komplizierter und damit teurer wäre. Schließlich muss ein Weg gefunden werden, die abgebauten Metalle sicher zur Erde zurückzubringen. All diese verwendeten Maschinen benötigen natürlich noch Treibstoff, den sie in regelmäßigen Abständen irgendwo „tanken“ müssen. Hierzu setzen die „Weltraumpioniere“ ihre Hoffnung auf das ebenfalls auf vielen Asteroiden vorhandene Wasser(-eis), das zur Energiegewinnung in Sauerstoff und Wasserstoff gespalten werden soll. Dennoch: Allein schon eine Weltraummission zur Entnahme einer Materialprobe kostet mehrere hundert Millionen Dollar. Der tatsächliche Bergbau würde beim jetzigen Stand der Technik Milliarden verschlingen.

Wer hat ein Recht auf den Himmel?

Und es gibt noch ein Problem: die unklare Rechtslage im Weltraum. Grundlage für das Weltraumrecht ist der Weltraumvertrag von 1967, der von 102 Staaten ratifiziert wurde. Dieser legt fest, dass der Weltraum nur zu friedlichen Zwecken und im Interesse aller Staaten genutzt werden darf. Die nationale Aneignung von Teilen des Weltraums und der in ihm enthaltenen Himmelskörper ist verboten. Was bedeutet das also für die oben genannten Schürfer in spe, bei denen es sich um Privatpersonen handelt? US-Präsident Obama hat im vergangenen Jahr ein Gesetz erlassen, das Bürgern der USA die kommerzielle Ressourcennutzung im Weltall erlaubt. Die juristische Begründung liegt darin, dass durch den Abbau keine Eigentumsrechte an den Himmelskörpern entstehen, sondern nur an den abgebauten Rohstoffen, womit nach Ansicht des amerikanischen Gesetzgebers dem Weltraumvertrag nicht zuwidergehandelt wird. Dennoch ist die Legalität dieses Gesetzes ein Streitpunkt, schließlich überträgt die US-Regierung ihren Bürgern damit Rechte, die sie selbst gar nicht hat.

Fazit

Die traumhaften Perspektiven, die der Weltraumbergbau zweifellos bietet, werden in der näheren Zukunft erst einmal nur Träume bleiben. Die Klärung der Rechtslage, die Entwicklung funktionierender und kostentechnisch sinnvoller Technologien, das Auffinden vielversprechender Asteroiden, eine ausreichende Finanzierung: all dies wird viel Zeit und Geld kosten. Es ist fraglich, ob die prominenten Investoren, die sich heute noch für das Projekt begeistern, einen ausreichend langen Atem haben, um bis zum Ende dabei zu bleiben; wenn es sich am Ende überhaupt lohnt. Sinnvoller wäre es, die finanziellen und geistigen Anstrengungen der Erde zu widmen, um sie nachhaltiger und schonender nutzbar zu machen, bevor man den neuen Reichtümern über uns nachjagt.

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