Klimawandel

Wie lange hält die Erde unseren Konsum noch aus?

Dass der Klimawandel eine nicht zu leugnende Tatsache ist, scheint – von ein paar Hinterwäldlern in den USA abgesehen – mittlerweile jedem bekannt zu sein. Spätestens seit Al Gores preisgekrönter Dokumentation „An Inconvenient Truth“ („Eine unbequeme Wahrheit“) aus dem Jahre 2006 wissen wir, dass die Durchschnittstemperatur der Erde einen Negativ-Rekord nach dem anderen bricht, die Pole schmelzen, der Meeresspiegel ansteigt und neben den Lebensräumen vieler Tierarten auch unser, der des Homo Sapiens, bedroht ist. Aber auch ohne die Wissenschaft zu Rate zu ziehen, stimmen wohl die meisten rein subjektiv zu, dass das Klima bzw. Wetter immer unberechenbarer wird und beispielsweise Stürme immer heftiger ausfallen, wie derzeit im Süden Deutschlands zu beobachten ist.

calf-362170_1920

Lieblich anzuschauen, fatal fürs Klima. Viehzucht als einer der Hauptverursacher von Treibhausgasen. Quelle: Pixabay.

Klimaschutz-Heuchelei

Doch was tun wir eigentlich gegen den Klimawandel? Viele Menschen geben sich äußerst betroffen und tun doch sehr wenig. Zumeist ergehen sie sich in symbolischen Handlungen: machen etwa einmal im Jahr für eine Stunde das Licht aus (die sog. „Earth Hour“), sind im Rahmen von Klimaschutz-Konzerten für ein paar Stunden „Weltverbesserer“ oder saufen literweise Krombacher für den Regenwald. Wenn man aber einmal ehrlich ist, ist vielen der Klimawandel relativ egal. Noch ist man selbst ja auch kaum betroffen. Was kann man als Einzelner schon bewirken? Schuld haben schließlich die großen Unternehmen und die permanent versagende Politik.

Falscher Fokus vergangener Klimaschutz-Debatten

Diese Erklärung ist für uns als Individuen höchst angenehm, können wir die Verantwortung doch an übergeordnete Kräfte delegieren, sie geht jedoch an der Realität vorbei. Wirft man einen Blick auf Klimaschutz-Debatten der Vergangenheit, so wird fast immer der übermäßige CO²-Ausstoß großer Energie-Konzerne sowie der Transportindustrie angeprangert. Die Agrarindustrie wird erst seit kurzem in die Betrachtung mit einbezogen, dabei ist diese für einen Großteil der Emissionen verantwortlich. So war die weltweite Viehwirtschaft im Jahre 2014 für 18% aller Treibhausgase verantwortlich, verursachte also mehr Emissionen als sämtliche Transporte (Autos, Flugzeuge, Schiffe, Züge etc.) zusammen (weitere Zahlen auf der Seite des empfehlenswerten Dokumentarfilms „Cowspiracy“). Doch wer ist für diese Treibhausgase eigentlich wirklich verantwortlich?

Unternehmen Spiegel gesellschaftlichen Konsums

Auf die Wirtschaft bezogen kann man vereinfacht sagen, dass „Unternehmen sind, was wir kaufen“. Die globale Gesellschaft und ihr Konsumhunger steuern nach dem einfachen marktwirtschaftlichen Prinzip von Angebot und Nachfrage das, was Unternehmen produzieren und damit auch die Menge an Emissionen, die sie ausstoßen. Aufgrund dieses indirekten, aber doch erheblichen, Einflusses der Konsumenten, kann man den Schwarzen Peter nun einmal nicht so einfach „den Unternehmen“ zuschieben. Jeder Einzelne von uns ist verantwortlich. Im Englischen hört man zuweilen den Ausdruck „to vote with your wallet“ („mit deiner Brieftasche wählen“), der darauf hindeutet, dass Konsumenten eine ungeheure Macht haben. Wenn wir von heute auf morgen unseren Fleischkonsum reduzierten, würden Unternehmen selbstverständlich auch weniger produzieren.

Ökologischer Fußabdruck der Viehwirtschaft

Doch warum ist die Aufzucht von Vieh, die wir durch unser ständiges Bedürfnis nach Fleisch katalysieren, überhaupt derart schädlich für die Umwelt? Nun, zunächst stoßen beispielsweise Rinder im Verdauungsprozess Methan aus, ein Treibhausgas, das sehr viel schädlicher für den Planeten ist als CO² (ca. 25-100mal schädlicher). Des Weiteren ist die Aufzucht von Vieh sehr aufwändig. Zum einen braucht man unheimlich viel Land für die Tiere sowie für den Anbau von Futter (z.B. Getreide), das für sie benötigt wird (ca. 1/3 der eisfreien Fläche der Erde wird mittlerweile für diese Zwecke genutzt). Zum anderen werden in der Viehwirtschaft Unmengen an Wasser verbraucht, was in Zeiten chronischer Wasserknappheit zukünftig zu Konflikten führen dürfte. So erfordert beispielsweise die Produktion von einem Pfund Rindfleisch etwa 2.500 Gallonen Wasser (ca. 9.460 Liter).

Emotionalität einer längst überfälligen Debatte

Als die Partei Bündnis 90/Die Grünen im Bundestagswahlkampf 2013 einen wöchentlichen „Veggie-Day“ vorschlug, um den jährlichen Fleischkonsum in Deutschland (etwa 60kg pro Kopf) zu reduzieren, kochte die Volksseele. Die BILD titelte, wie üblich in verfälschender Art und Weise: „Die Grünen wollen uns das Fleisch verbieten!“. In seiner Dynamik erinnerte die Debatte an Freiheitsfanatiker in den USA, die bereits „Kommunismus“ schreien, bevor Obama das Wort „Waffenkontrolle“ überhaupt ausgesprochen hat. Dabei bräuchte man klimatechnisch viel eher eine „Veggie-Week“ als einen „Veggie-Day“. Natürlich kann man über Sinn und Unsinn einer solchen Vorschrift diskutieren, das Beispiel zeigt jedoch, dass das Thema emotional zu sehr aufgeladen ist. Es geht nicht um „richtig“ oder „falsch“, sondern vielmehr darum von wem die Botschaft stammt und wie sie sich politisch instrumentalisieren lässt.

Fazit

Der Autor dieses Beitrages ist weit davon entfernt, ein unreflektierter Prediger eines Vegetarismus oder sogar Veganismus zu sein, doch man muss sich die Frage stellen, ob es wirklich jeden Tag Fleisch sein muss. Bereits ohne an dieser Stelle die gesundheitlichen Risiken eines übermäßigen Fleischkonsums zu diskutieren, gibt es gute Argumente dafür, Fleisch wieder zu etwas Besonderem werden zu lassen. Fakt ist, dass sich der zunehmende Fleischhunger der Welt in Zukunft nur durch eine noch größere Zerstörung der Umwelt (z.B. Rodung des Regenwaldes zur Schaffung weiterer Anbauflächen) stillen lassen wird. 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s