Politische Kommunikation am Scheideweg (1)

Wo wird noch Klartext gesprochen?

Vor einigen Jahren blieb ich beim ziellosen Zappen durch die Fernsehprogramme bei der Übertragung einer Bundespressekonferenz (BPK) hängen. Obwohl mir diese Institution grundsätzlich bekannt war, hatte ich mich noch nie wirklich damit beschäftigt. Ich war dann einigermaßen überrascht, dass die Veranstaltung ganze anderthalb Stunden dauerte (ich hatte damals wirklich nichts zu tun), denn in Nachrichtensendungen und Zeitungen werden fast immer nur kurze Ausschnitte und Statements aus der BPK als repräsentativ für das gesamte Thema gezeigt. Das tatsächliche Ausmaß einer solchen Veranstaltung ist allerdings viel größer.

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Eine Sitzung der BPK – Bloße Verkündung von Nicht-Nachrichten? Quelle: Bundestag.

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Vom Sinn des Reisens

Bostoner Erfahrungen

Gleich zu Beginn dieses Beitrags gilt es einige Zweifel zu zerstreuen. Nein, liebe Leserinnen und Leser, dies ist kein Reise-Beitrag im klassischen Sinne. Ich beschreibe hier weder die lebensverändernde (*hust*) Erfahrung eines „Roadtrips“ (Stichwort: „mind-blowing experience“) noch stelle ich an dieser Stelle eine weitere RTL-ähnliche Rangliste á la „DIE 10, die man in Boston gesehen haben muss“ zusammen. Im Zentrum dieses Beitrags steht vielmehr ein Thema, das auf den ersten Blick vor Banalität nur so strotzt, aber dennoch – besonders aktuell – eine gesonderte Würdigung verdient: wie wir miteinander umgehen.

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Das obligatorische Gruppen-Selfie: „Reise-Erfahrungen“ als Aneinanderreihung verwackelter Schnappschüsse. Quelle: Pexels.

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Allgemeinwissen

Ein unnützes Gut?

„You see,“ he explained, „I consider that a man’s brain originally is like a little empty attic, and you have to stock it with such furniture as you choose. A fool takes in all the lumber of every sort that he comes across, so that the knowledge which might be useful to him gets crowded out, or at best is jumbled up with a lot of other things so that he has a difficulty in laying his hands upon it. Now the skillful workman is very careful indeed as to what he takes into his brain-attic. He will have nothing but the tools which may help him in doing his work, but of these he has a large assortment, and all in the most perfect order.“

Mit diesen Worten begründet Arthur Conan Doyles berühmter Detektiv Sherlock Holmes bei seinem ersten Auftritt in „A Study in Scarlet“, warum er einerseits über ein genaues Detailwissen auf teils obskuren Gebieten verfügt, andererseits aber eklatante Lücken in dem aufweist, was sein Freund Dr. Watson für Allgemeinwissen hält.

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Ein anscheinend berühmter Mann in mediterraner Landschaft. Muss man den kennen? Und wo ist er da überhaupt? Quelle: Wikilmages (Pixabay).

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Die Legende vom „Abendland“

Sammelbegriff für Flüchtlingsgegner?

Der von PEGIDA geprägte Begriff des „Abendlandes“ schafft es, einer humanitären Katastrophe eine kulturelle Dimension zu verleihen und so den Schwerpunkt der Diskussion von Fragen der Integration in emotionaleres Terrain hin zu Fragen von Identitätsverlust und Überfremdung zu verlagern. Doch hat die Rede vom „christlichen Abendland“ auch Substanz?

Ausgerechnet Angela Merkel zweifelte dies vor einigen Monaten im Rahmen einer Veranstaltung an der Uni Bern öffentlich an. Allgemeiner Tenor: Während allenthalben von der Verteidigung des Abendlandes und christlicher Werte die Rede sei, wüsste gleichzeitig kaum noch jemand was das bedeute. Kurz: Diejenigen, die für die vermeintliche Verteidigung des Christentums eintreten, wissen gleichzeitig überhaupt nicht, was sie eigentlich verteidigen bzw. was das Christentum ausmacht (hier Merkels Auftritt im Wortlaut).

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