Sharing Economy

Teilen macht Spaß – aber ist es auch wirklich sozial?

Urlaubsplanung für den nächsten Städtetrip: Anreise mit BlaBlaCar, Zimmer über Airbnb, für kurzfristigen Transport in der Stadt ruft man sich einen Fahrer über Uber. Zumindest über manche dieser Optionen hat der eine oder die andere sicherlich schon einmal nachgedacht oder sie genutzt. Gerade unter jungen Menschen erfreuen sich nach meiner Erfahrung die genannten oder vergleichbare Dienste großer Beliebtheit, versprechen sie doch preisgünstiger, ressourcenschonender und persönlicher zu sein als die klassischen Alternativen. Günstig und (trotzdem) ein gutes Gewissen? Da freut sich der bewusst lebende, sozial aktive Student. Auch die Unternehmen scheinen zufrieden, jedenfalls hört man immer wieder von steigenden Nutzerzahlen. Ist die sogenannte Sharing Economy ein zukunftsweisendes Modell oder eher eine große Blase, die Risiken und Gefahren birgt?

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Das ideale Grundprinzip des Teilens – Kann die Sharing Economy es erfüllen? Quelle: Pixabay.

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In eigener Sache

Auf die Gefahr hin, dass wir bald mehr Artikel „in eigener Sache“ haben als originäre Beiträge (was von dem ein oder anderen Leser auch bereits kritisch angemerkt wurde) sei an dieser Stelle der Hinweis erlaubt, dass wir unseren Veröffentlichungsrhythmus ändern. Statt wöchentlicher Artikel werden in Zukunft pro Monat je ein Artikel von mir und einer von Alex erscheinen. So haben wir einerseits ein bisschen mehr Luft, die Beiträge neben dem arbeitsreichen Uni- und Berufsalltag zu verfassen, andererseits aber auch mehr Zeit für die Recherche, was die Qualität (so zumindest die Intention) weiter steigern sollte. Der nächste Beitrag in diesem Monat erscheint so am 17.07.2017.

Vielen Dank für euer Verständnis und hoffentlich bis bald.

Lars & Alexander

Insekten

Die Nahrung der Zukunft

Im vergangen Jahr thematisierte einer unserer meinungsselfies bereits den ökologischen Fußabdruck der Viehwirtschaft und die Folgen, die der maßlose Fleischkonsum der westlichen Welt nach sich zieht. Auch in diesem Jahr genießen wir wieder die sommerliche Grillsaison, während gleichzeitig gegen eine der größten Hungerskatastrophen der Menschheitsgeschichte angekämpft wird. Knapp 20 Millionen Menschen in Somalia, Südsudan, Nigeria und Jemen sind besonders betroffen. Diese humanitäre Katastrophe hat natürlich viele Ursachen und liegt nicht in erster Linie an unseren Nackensteaks vom letzten Wochenende. Zwar macht sich unverkennbar in den betroffenen Gebieten der Klimawandel besonders stark bemerkbar: Seit Jahren bleibt Regen aus, Ackerland versteppt, Nutztiere magern ab und sterben. Allerdings sind diese Länder vor allem politisch höchst instabil. Nigeria wird von der Boko-Haram-Miliz terrorisiert, im Jemen und Südsudan herrscht Bürgerkrieg und Somalia ist praktisch das Paradebeispiel eines failed state. Diese Zustände erschweren es enorm, der Zivilbevölkerung Hilfe zu bringen oder gar Präventionsmaßnahmen zu ergreifen. Dennoch ermahnen uns die immer erschreckenderen Ereignisse in der Dritten Welt immer wieder unseren Konsum zu überdenken, denn bald neun Milliarden Erdenbewohner können sich nicht alle von Rind, Schwein und Geflügel ernähren.

Vegetarismus und Veganismus sind bekanntermaßen besonders emotional aufgeladene Themen. Stumpfe Parolen, wie „Von dem Kaninchenfutter werde ich nicht satt!“, mal außen vor, können sich viele Menschen, der Verfasser eingeschlossen, einfach nicht vorstellen, ihre Ernährung größtenteils oder gänzlich ohne tierische Komponenten zu bestreiten. Klimaverträgliche Abhilfe verspricht da eine (bei uns) ungenutzte Fleisch- und Eiweißquelle, die allerdings mit einiger Überwindung verbunden ist: Insekten.

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Vom Feld bald auf den Teller? Insekten als gewöhnungsbedürftige Fleischalternative. Quelle: Pixabay.

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Die Kontingenzfalle

Junge Menschen im Irrgarten der Optionen

Die aktuelle Phase der Menschheitsgeschichte gilt – zumindest in der westlichen Hemisphäre – als Zeitalter der Hyperindividualisierung. Bereits seit den 1960er-Jahren schreitet die Individualisierungswelle und damit auch die Pluralisierung von Lebensstilen immer weiter fort. Laut der Bundeszentrale für politische Bildung (bdp) ist dies besonders auf drei Faktoren zurückzuführen: eine flächendeckende Wohlstandssteigerung (1), die die Mobilität zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Schichten verbessert hat, eine drastisch verkürzte Arbeitszeit (2), die Raum für die eigene Selbstverwirklichung lässt sowie ein gestiegenes Bildungsniveau (3), das kognitive Fähigkeiten mit sich bringt, die Menschen „profunder über sich selbst und das eigene Leben nachdenken lassen“ (bdp). Während manche argumentieren, dass so gesellschaftlicher Fortschritt aussehe, meinen andere wir züchteten uns eine neue Generation von Egomanen heran – eine Einschätzung, die nach meiner persönlichen Wahrnehmung eher zutreffend erscheint. Heute zählt in erster Linie das „Ich“, die eigene Selbstbestimmung, die Verwirklichung eigener Träume und die hedonistische und sofortige Befriedigung eigener Bedürfnisse. Wie besonders auf Social Media-Kanälen á la Instagram zu beobachten ist, kann man die vorherrschende Geisteshaltung vieler junger Menschen auf einen simplen Nenner bringen: Ich, ich und ich. Was das mit uns macht, soll hier problematisiert werden.

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Grundproblem der Kontingenz: Die Wahl einer Tür bedingt die Nicht-Wahl aller anderen. Quelle: Pexels.

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Die intelligente Idealgesellschaft

Wie der Traum von Harmonie in der Realität spaltet

Es ist jetzt etwas mehr als ein Jahr her, dass ich meinen ersten meinungsselfie veröffentlicht habe. Damals ging es um das Thema Allgemeinwissen: Was gehört heutzutage in einen allgemeinen Wissenskanon? Braucht man einen solchen überhaupt noch, wenn man im Internet jederzeit Zugriff auf jede gewünschte Information hat? Sollte man sich darum nicht besser spezialisieren? Was in diesem Artikel überhaupt nicht im Fokus stand, war die Verbindung von Allgemeinwissen und Intelligenz. Wer viel weiß, wird in der Regel auch als besonders klug angesehen, man denke nur an die „Superbrains“ und „Quizgötter“ der einschlägigen TV-Formate. Dabei braucht man für ein großes Allgemeinwissen nur die Bereitschaft, möglichst viele Informationen zu konsumieren, und ein gutes Gedächtnis, um diese zu speichern. Mit Intelligenz hat das erstmal nur bedingt zu tun, jedoch neigen wir durch den anschaulichen Charakter von Wissensdemonstrationen dazu, einem solchen Menschen auch eine hohe Intelligenz zuzusprechen – und damit auch hohes Prestige. Denn neben Reichtum, Macht und Ansehen ist Intelligenz ein Mittel sozialer Stratifikation in unserer modernen, demokratischen (westlichen) Gesellschaft. Im Grunde ist es sogar das entscheidende Mittel, schließlich lassen sich mithilfe von Intelligenz die anderen drei erreichen. Dementsprechend kann es für jeden Menschen eigentlich nur erstrebenswert sein, möglichst intelligent zu sein. Ebenso profitiert die Gesellschaft insgesamt von vielen intelligenten Menschen, die wichtige Positionen besetzen können, gute Arbeit leisten und Innovationskraft demonstrieren. Wie also schafft man eine möglichst intelligente Gesellschaft?

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Typische Graduation Ceremony – Gleichzeitig aber auch Graduierung der Gesellschaft. Quelle: Pixabay.

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Privatisierung

Schlanker Staat – Besserer Staat?

Aus früher Kindheit oder Gesprächen mit älteren Mitmenschen mag sich unsere jüngere Leserschaft vielleicht noch an Bezeichnungen und Ausdrucksweisen erinnern, wie: „Er ist Bahnbeamter“ oder „Ich gehe zum/aufs Postamt“. Für Menschen, die erst ab den späten 1980er Jahren geboren sind, erscheinen solche Ausdrücke altertümlich und unpassend. Wir würden eher von einem Bahnangestellten oder einer Postfiliale sprechen. Den Grund dafür kennen die meisten sicherlich: Die deutsche Bahn, die Post, aber auch die Lufthansa oder die Telekom waren bis vor etwas mehr als zwanzig Jahren in staatlichem Besitz und ihre Arbeitskräfte zum größten Teil Beamte. Ab den 1990er Jahren wurden diese Behörden jedoch in Teilen oder auch ganz zu privaten Unternehmen, die neue Arbeitskräfte nur noch als Angestellte einstellten, auch wenn Bezeichnungen wie „…beamter“ noch weiterleben. Der jüngeren Generation ist der alte Status dagegen schon gar nicht mehr bewusst. Dennoch ist das Thema Privatisierung nach wie vor brandaktuell, zuletzt standen die deutschen Autobahnen diesbezüglich im Fokus. In diesem Artikel soll ein wenig ausgeleuchtet werden, ob und wann sich Privatisierung lohnt, wann nicht, und wann sie vielleicht sogar zu einer Gefahr wird.

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Die öffentliche Infrastruktur – Besser aufgehoben in privater Hand? Quelle: Pixabay.

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Das Produktivitätsparadox

Über zurückgehende Produktivität in Zeiten der Innovation

Produktivität ist längst nicht mehr nur ein Terminus aus der Ökonomie, sondern seit einiger Zeit auch in der politischen Arena angekommen. Denn: eine Steigerung der Arbeitsproduktivität, also die Erhöhung des Outputs (Produktionsergebnis) pro eingesetzter Input-Einheit (z.B. Arbeit), geht in der Regel mit jenem wirtschaftlichem Wachstum einher, das Politiker nur allzu gerne im Munde führen, wenn es auf Wahlen zugeht. Tatsächlich kann mit einigem Recht die These vertreten werden, dass es Menschen wirtschaftlich besser geht, wenn eine Gesellschaft Wachstum und Produktivitätssteigerungen generiert, da dann meistens auch die Löhne steigen. Dumm nur, dass die Arbeitsproduktivität in den westlichen Industrien schon seit einiger Zeit stagniert, in manchen Ländern gar rückläufig ist. Wie passt dies mit dem Hype um die Wertschöpfungspotenziale der Digitalisierung zusammen, die bereits seit der Jahrtausendwende propagiert werden? Werden wir überhaupt nicht produktiver oder bilden vorherrschende Untersuchungen das Konstrukt „Produktivität“ nur unzureichend ab?

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Verschafft uns die vollständig vernetzte Welt bald große Produktivitätssprünge oder handelt es sich schlicht um Propaganda aus dem Sillicon Valley? Quelle: Pixabay.

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As good as gold

Über den enormen Einfluss eines chemischen Elements

„Es ist nicht alles Gold, was glänzt.“; „Gold wert sein“; Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.“; „Die goldene Mitte“; „Ein goldener Oktober“; „Eine goldene Regel“…

Mit einer Auflistung aller deutschen Redewendungen zum Thema Gold ließe sich wohl schon der halbe Artikel füllen – und dann könnte man noch in anderen Sprachen fortfahren. Deutlich wird aber bereits jetzt, welch hohe metaphorische Symbolkraft das Edelmetall schon immer in unserer Sprache und damit auch in unserem Denken hatte. Gold ist der Stoff, aus dem die Träume sind, und steht seit jeher für etwas Edles, Reines und Wertvolles. Und erstaunlicherweise übt Gold auf alle Menschen, unabhängig von Sozialisation und Herkunft, eine enorme Anziehungskraft aus. Egal auf welchem Kontinent, egal auf welchem kulturellen Niveau, schon immer gruben Menschen nach Gold, fertigten daraus Schmuck, verzierten damit Gebäude, ehrten damit die Götter, nutzten es als Zeichen für Macht und Reichtum. Wie das Metall auch heute noch eine zentrale Rolle in unserer globalisierten Welt spielt, darum soll es in diesem Artikel gehen.

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Die Anziehungskraft des Goldes- Wer hätte diese Barren nicht gern? Quelle: Pixabay

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Die Evolution der Arbeit

Arbeit – notwendiges Übel oder überholtes Konzept?

Unserer Generation wird gerne nachgesagt, sie sei auf der ständigen Suche nach Sinnstiftung, würde alles hinterfragen und so gängige Strukturen aufbrechen. Die so genannte Generation Y frage stets nach dem warum und präferiere hehre Ziele gegenüber üppigem Gehalt. Auch im Arbeitsleben setze sie Maßstäbe. Home-Office, Flex-Arbeitszeiten, Sabbaticals und die generelle Work-Life-Balance – nie wurde so viel über die Veränderung der Arbeitswelt durch eine einzige Generation palavert wie heutzutage. Immer neue Begriffe werden erdacht, um die angeblich so anspruchsvollen, aber zugleich höchst paradoxen „jungen Leute“ sowie ihre Ansprüche zu beschreiben. Vieles davon kann getrost als Blödsinn abqualifiziert werden, eine Wahrnehmung dürfte jedoch zutreffend sein. Die Vorstellung, dass wir die nächsten 45 oder 50 Jahre bis zur Rente (falls es diese dann noch geben sollte) arbeiten, ist für uns eine Horrorvorstellung. Was hat man schließlich noch vom Leben, wenn man fünf Tage die Woche im Büro sitzt? Wenigstens haben wir heute die Möglichkeit, Alternativen zu prüfen – dies war längst nicht immer so. Dieser Beitrag liefert einen Abriss über die Geschichte der Arbeit und alternative bzw. zukünftige Modelle.

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Relikte einer vergangenen Zeit: Welcher Werkzeuge bedienen wir uns in der Zukunft bzw. müssen wir uns überhaupt noch ihrer bedienen? Quelle: Pexels.

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Kalter Krieg reloaded?

Die besorgniserregende russische Außenpolitik

Vor einigen Tagen, am 18. März, jährte sich zum dritten Mal die Annexion der Halbinsel Krim durch Russland. In den Medien wurde in mehreren kleinen Beiträgen daran erinnert, die sich vor allem damit beschäftigten, was sich für die Bewohner der Krim in den letzten drei Jahren verändert hat (nicht viel). Keiner dieser Berichte zog überhaupt noch in Erwägung, dass die Entwicklung noch einmal rückgängig gemacht werden könnte, obwohl (außerhalb Russlands) weitgehend Konsens darüber herrscht, dass die Abspaltung der Krim von der Ukraine völkerrechtswidrig war: Das zugrundeliegende Referendum sei übereilt und unter dem Eindruck russischer Militärpräsenz durchgeführt worden, zudem deute das überdeutliche „Ja“ zu Russland auf Manipulationen am Wahlergebnis hin. Zwar haben EU, USA und einige andere Staaten seitdem Sanktionen, vor allem wirtschaftlicher Art, gegen Russland verhängt, dennoch glaubt wohl niemand mehr ernsthaft daran, dass Russland die Krim jemals wieder hergeben wird. Mit der Annexion der Krim jährt sich aber auch zum dritten Mal Russlands „Rückkehr“ auf die Bühne der Weltpolitik: Militärische Intervention in den syrischen Bürgerkrieg, vermutete Einflussnahme auf den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf, Falschmeldungen und Verleumdungen russischer Medien bezüglich westlicher Staaten und Politiker, finanzielle Unterstützung rechtspopulistischer Parteien in Europa. Russland scheint zurzeit seine Hände überall im Spiel zu haben. Der heutige Artikel will versuchen, das neue weltpolitische Auftreten Russlands seit der Krimkrise ein wenig zu erhellen.

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Russland – unter Putin wieder erfolgreiche Weltmacht? Quelle: Pixabay.

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